Yuppies gegen Gentrification

Dezember 20, 2010 § Ein Kommentar

Seit Tagen sind wir damit beschäftigt, Geschenke zum Fest der Liebe für die Unsrigen zu erwerben. Und vor lauter Schlangestehen in der Manufactum-Filiale unseres Vertrauens kommen wir kaum noch dazu, über den Tellerrand zu blicken. Dabei sind wir doch genau dafür da – und es passierte so viel in den letzten Tagen.

Ein bißchen freuen wir uns über das Erscheinen eines neuen lokalen Onlinemagazins, der Prenzlauer Berg Nachrichten. Denn wenn es in unserem Kiez wirklich die größte Sorge ist, dass Schnee und Müll nicht ordnungsgemäß beseitigt werden, dann kann es uns noch nicht allzu schlecht gehen.

Etwas engagierter hingegen geht es in der Provinz zu: Quasi Seit‘ an Seit‘ mit uns schreiten in Hamburg ab sofort die Yuppies gegen Gentrification. Alle hip, alle kritisch. Einzig die lattemachiatotrinkenden Schanzenmütter vermissen wir noch ein wenig und den vielen attraktiven Gentrifizierungskritikern. Aber die kommen sicher auch bald.

Also, der Kampf geht weiter! Oder wie wir im bürgerlichen Hipsterlager zu sagen pflegen: Frohe Weihnachten!

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Advent, Advent

Dezember 13, 2010 § 2 Kommentare

Unsere Freunde laden uns zum Adventskaffee ein – und meinen es nicht einmal mehr ironisch. Selbstgebackene Kuchen, heiße Waffeln mit Kirschen und Glühwein. Natürlich nicht dieses billige Fertiggemisch aus dem Tetrapak, sondern selbstgemacht mit allerfeinsten Gewürzen und geriebenen Schalen biologisch angebauter Orangen. Die Damen tragen feine Strumpfhosen mit neckischen Mustern, mit denen sie sich im Alltag nicht aus dem Hause trauen. Die Herren sind glattrasiert und tragen auch am Sonntag ein frisch gebügeltes Hemd. Alle haben toll sanierte Altbauwohnungen in Prenzlauer Berg (zur Not auch Mitte), in denen es sicher ebenso nach Zimt duftet wie hier. Die Kinder entwickeln beim Spielen eine enervierende Dynamik, aber niemand versucht Carlotta und Johannes in ihrer Lautstärke zu drosseln – „Wir waren ja schließlich auch mal jung.“ Heute haben wir selbstredend alle tolle Jobs in renommierten Agenturen und brüsten uns damit, täglich bis 22 Uhr zu arbeiten, um unsere Wohnungen, Autos und Fernreisen zu bezahlen. Aber die Arbeit macht ja auch Spaß, man hat schließlich jede Menge spannende Projekte am Start, über die man sich auch gern noch am Wochenende mit seinesgleichen unterhält. In den Bücherregalen nichts als Stuckrad-Barre, Uslar und Kracht sowie Reiseführer und Kochbücher. Der weihnachtliche Fahrstuhljazz wird direkt aus Cupertino in unsere Aktivlautsprecher gestreamt. Es geht uns gut, das ist die Hauptsache. Niemals würden wir fragen, was eigentlich aus uns geworden ist – und wie das alles weitergehen soll.

Es ist ein Musical

Dezember 3, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Stoff gibt es dank der Schlagzeilen aus dem Prenzlauer Berg reichlich: Ein Café richtet eine eigene Ecke ein, in der kein Babygeschrei die Arbeit am Laptop stören soll. Und die Polizei fahndet nach Dieben, die gezielt teure Kinderwagen aus dem Hausflur klauen – von der „Soko Bugaboo“ ist die Rede. Zur Weihnachtszeit tauchen Plakate auf, die den Exil-Schwaben eine gute Heimreise wünschen.

Endlich bekommt unser Kiez ein eigenes Musical. Wurde aber auch Zeit. Wir sind lediglich ein wenig traurig darüber, dass nicht gleich ein neue Musical-Theater gebaut wird. Das Publikum wäre jedenfalls vorhanden. Aber man sollte Prioritäten setzen: viel wichtiger wäre zunächst eine eigene Manufactum-Filiale.

Der Tod in der Kritik

Dezember 1, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Der letzte Einwohner Prenzlauer Bergs mit Berliner Wurzeln ist gestern verstorben. Albert Schlotz wohnte seit 1935 am Kollwitzplatz in einer Zweiraumwohnung, deren Miete aufgrund einer Datenpanne noch nicht auf die ortsüblichen 35 €/qm erhöht worden war. Sein Vermieter, ein 27-jähriger pensionierter Oberstudienrat aus Heilbronn, zeigte sich überrascht, dass “so ein Exot” in seinem Haus gewohnt habe …

Mehr zu diesem traurigem Fall lesen Sie auf „Der Kojote – Deutschlands seriösestes Nachrichtenmagazin„.

Konservativ

November 29, 2010 § Ein Kommentar

(via ahoi polloi)

Kritik an Charles Bronson

November 24, 2010 § Ein Kommentar

1952 in der Kritik

November 23, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

1952 muss ein wirklich mieses Jahr gewesen sein. Klar 1952, das war ja auch kurz nach dem Krieg werdet ihr jetzt richtigerweise und ein bisschen altklug einwerfen, logisch war das grausam. 1952 muss sich auch eine Menge Frust angestaut haben. Das Wirtschaftswunder zuppelte so gerade mal los, Deutschland war noch nicht Weltmeister und der Prenzlauer Berg auch noch nicht gentrifiziert. 1952 hat bei manchen Menschen einen tiefen verstörenden Eindruck hinterlassen. So tief in die Seele dieser Menschen, das er gemeinhin sichtbar und dessen Folgen noch heute für jeden zu erdulden sind.

So tief, dass die Kinder der 52-Generation diesen Groll auf das Jahr 1952 auch mit sich herumtragen und bei sich jeder bietenden Gelegenheit zu veritablen Hass wachsen lassen.

Der harte Kern der 1952-Hasser hat sich augenscheinlich in Berlin Prenzlauer Berg zusammengerottet, um dort aus einer extremen supergeheimen Geheimzentrale heraus, alles zu vernichten, was nur entfernt aus dem Jahr 1952 stammt, daran erinnert, damit in irgendeiner Form spielt, oder nur daran denkt.

1952 soll von der Lochkarte der Geschichte gelöscht werden.

Ihr habt davon noch nie etwas gehört, werft ihr jetzt wahrscheinlich entlarvenderweise ein bisschen treudoof in diese Geschichte ein, also glaubt ihr das nicht. Doch, doch es ist aber so. Im Prenzlauer Berg gibt es ein Rudel von Menschen, die das Jahr 1952 aus der kollektiven Erinnerung streichen wollen. Natürlich klingt das im ersten Moment absurd und schwer nachzuvollziehen, aber es gibt handfester Beweise dafür.

Nach allem was über den supergeheimen Geheimbund gegen 1952 herauszufinden war, besteht dieser Club des Hasses überwiegend aus Menschen, die in den letzten 5-6 Jahren aus allen Teilen Deutschlands (Mit Ausnahme des Ruhrpotts) und einigen Metropolen Westeuropas extra in den Prenzlauer Berg gezogen sind, um von dort konzentriert gegen 1952 zuzuschlagen. Kurze Kommunikationswege, niedrige Abstimmungsstufen und die zentrale Lage Berlins waren sicherlich ausschlaggebend für diese Entscheidung. Natürlich sind die Soft Skills vom Prenzlauer Berg  auch nicht zu verachten – kein supergeheimer Geheimbund muss hier an Langeweile sterben. Die Clubszene, die Menschen, die gelebte Toleranz im Prenzlauer Berg, das urbane Gefühl, der Puls der Zeit (ohne 1952), das Gefühl am und der Nabel der Welt zu sein … Welcher geheime Geheimbund fühlte sich nicht davon angezogen?

Um nicht aufzufallen sind die Mitglieder des supergeheimen Geheimbundes voll integriert in das Leben im Prenzlauer Berg. Sie ziehen durch die Clubs im Kiez, oder in Mitte, kennen jeden Ladenbesitzer in der Kastanienallee mit Zweitnamen, haben Anwohnerparkausweise, fahren zum arbeiten in die Agenturen, wohnen in den sanierten Altbauwohnungen, geben ihren Wlans lustige Namen, treffen sich in Cafés zum im Café treffen, essen Frühstück bei Anna Blume und fahren ein Christiania-Fahrrad. Über Politik wird kaum gesprochen, man kann sie sich ja leisten. Nichts auffälliges deutet also auf die Existenz des supergeheimen Geheimbundes 1952 hin.

Nur jetzt, jetzt sind sie an das Tageslicht getreten. Jetzt haben sie sich zu erkennen gegeben. Jetzt haben sie es durchgezogen. Aber zugegeben, die Verlockung war zu groß. Direkt vor der Haustür, im schönen Prenzlauer Berg, in Sicht- und Hörweite – da stand sie, die Ausgeburt der Hölle 1952. Das konnte der supergeheime Geheimbund nicht dulden und hat zugeschlagen.

Oder wie würdet ihr euch erklären, dass der Knaack Klub zum Jahresende wegen seiner Geräuschkulisse schließen muss? Bevor ihr antwortet, bedenkt: Der Knaack Klub ist schon ewig in der Greifswalder Straße – richtig, seit 1952.

Wo bin ich?

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