Kritik daran, einfach nur Gutes zu tun

November 28, 2010 § Ein Kommentar

Also was ich ja total bewundere, das sind diese Marketingprojekte, die die Welt ein wenig besser machen. Marketing ist ja lange Zeit gerade intellektuell auch eher verschrien gewesen, weil es ja hilft, so viel unnützes Zeug in die Welt zu bringen. Mich hat das immer ein wenig geschmerzt. Einerseits bin ich auch irgendwo total dagegen, wenn wir uns alle nur noch als Konsumenten sehen. Aber andererseits ist es doch auch voll erfüllend, eine Sache einfach mal in einem guten Licht dastehen zu lassen, sie elegant zu beschreiben, mit guten Texten und Graphics. Schönes Marketing macht die Welt ja einfach auch schöner. Da sehen wir ja an Apple, die machen die Welt ja auch echt schöner. Die eine Hälfte der Leute am Prenzlauer Berg machen ja den ganzen Tag lang auch nichts anderen (die andere Hälfte sind Rentner, Wolfgang Thierse oder die Arbeitslosen, die noch nicht aus ihren Wohnungen rausgeklagt sind).

Total toll finde ich deswegen Marketingprojekte immer dann, wenn sie zugleich etwas verkaufen helfen, und auf der anderen Seite aber auch die Welt besser machen. Zum Beispiel, wenn ein Telekommunikationsunternehmen sagt „Für jede Minute, die Ihr mit uns zwischen drei Uhr und sechs Uhr morgens telefoniert, spenden wir 1 Ct an ein Brunnenbauprojekt in Wanne-Eickel.“ Oder wenn Krombacher sagt „Für jeden Bierkasten, den Ihr bei uns kauft, pflanzt Günter Jauch einen Baum in seinem Vorgarten.“

Neulich habe ich das mit dem Sven nochmal intensiv diskutiert (er ist Freelance Chief Conceptionist und auch als Creative Advertising Deployment Consultant total aktiv), und da ist uns dann allerdings eine Sache aufgefallen, die ein wenig komisch ist: meistens gibt es ja eine Höchstgrenze bei solchen Aktionen. Also Sternchentexte muss man ja eigentlich nicht lesen, deswegen sind es ja Sternchentexte (also Texte, die für das Leben auf der Erde so wichtig sind wie weit entfernte Sterne). Aber kann man natürlich auch mal machen, und es gibt so Sternchentexte bei diesen Aktionen, wo dann immer drin steht, dass die Spende nur bis zu einem gewissen Maximalbetrag geleistet wird. Um beim Telekommunikationsbeispiel zu bleiben: für das Brunnenbauprojekt werden 1 Ct. pro entsprechendem Telefonat gespendet, allerdings nur bis zu einem Gesamtbetrag von EUR 11,20. Und als kritischer Hipster frage ich mich natürlich jetzt: warum spendet das Unternehmen nicht gleich die vollen EUR 11,20? Könnte es eventuell sogar so sein, dass sie hoffen, bei der Sache womöglich billiger wegzukommen? Falls nämlich weniger Leute mitmachen?

Also ich bin da jetzt kritisch-verwirrt, weil ich ja einerseits total dahinter stehe, Gutes zu tun. Aber andererseits nicht so 100%ig sicher bin, ob das nicht vielleicht letztlich doch ein wenig eine Mogelpackung ist?

Inspektor Helmholtzhipness

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§ Eine Antwort auf Kritik daran, einfach nur Gutes zu tun

  • mayarosa sagt:

    Lieber Inspektor Helmholtzhipness,
    also ich deute die Sterne ja anders. Sie leuchten den Weg zur wirklichen Absicht des Absenders.
    Will er wirlich die Welt verbessern?
    Oder:
    Will er nur so tun, als ob und sich vor allen Dingen besser darstellen, als er ist und dabei den eigenen Profit maximieren?
    So etwas steht in den Sternen. Deswegen: Unbedingt lesen! :-)
    LG mayarosa

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