L’hip critique stellt sich vor

November 16, 2010 § Ein Kommentar

Ich komme vom Lande. Das Licht der Welt erblickte ich in der nahegelegenen Kreisstadt und noch heute leide ich darunter, dass sich meine Mutter nicht die Mühe machte, zum Zeitpunkt der Niederkunft zumindest die Stadtgrenze der nächsten Halbmetropole zu erreichen – selbst wenn es wenigstens Stuttgart gewesen wäre. Stattdessen zierten meinen Personalausweis Namen von Orten, den ich von Anfang an abgelehnt habe: Geboren in der Kleinstadt, aufgewachsen auf dem Lande Von Anfang an wollte ich weg: weg von freiwilliger Feuerwehr, Kirchweih, Schützenverein, Dorfkirmes und tiefschwarzen Landräten.

Anfangs war es nicht leicht, mich in Berlin zurecht zu finden. Mittlerweile bin ich sesshaft geworden, fast könnte man sagen angekommen. „Arriviert“ hatte mich schon zu Studentenzeiten Jahren meine große Liebe, ein Mädchen von Theater, genannt. Damals habe ich mich gegen diese Bezeichnung noch aufgelehnt.

Aber was ist eigentlich schlecht daran, irgendwo angekommen zu sein? Heute lebe glücklich mit meiner Frau und unserem Sohn Maximilian im Prenzlauer Berg. Letztes Jahr haben wir unsere sanierte Altbauwohnung gekauft und wir fühlen uns dort wohl. Obwohl es uns gut geht, denken wir an die Zukunft, gerade auch unseres Sohnes und unser hoffentlich irgendwann folgenden Enkel: Wir beziehen Ökostrom, kaufen im Biosupermarkt und fahren einen Kombi mit Gasantrieb. Wir sind zwar irgendwie hip, aber trotzdem immer kritisch geblieben. Auch wenn wir heute vielleicht unseren Eltern ähnlicher sind, als wir früher gedacht haben, wollen wir nicht so werden, wie sie sind. Unsere scheinbar größte Sorge ist momentan, dass uns niemand die TAZ aus dem Briefkasten klaut. Aber wir glauben, dass es noch ganz andere Probleme gibt. Wir können sie nur noch nicht genau verorten.

Wohin das alles führt, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. In diesem Weblog werde ich in unregelmäßigen Abständen aus meinem Leben berichten.

l’hip critique

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§ Eine Antwort auf L’hip critique stellt sich vor

  • Grosses Lob! Mit Hipstertum kann ich ja nicht so viel anfangen (obwohl ein Marketeer mich wahrscheinlich in diesselbe Schublade stecken würde), aber bisher interessante Artikel, gut zu lesen (vielleicht nicht immer mein Lebensumfeld betreffende), aber auf jeden Fall wert, öfter her zu kommen….

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