Konservativ

November 29, 2010 § Ein Kommentar

(via ahoi polloi)

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Hipster kritisieren Hipster kritisieren Hipster

November 28, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Samstag gehen wir immer zu fünftzehnt auf den Kollwitzmarkt. Bei Currywurst und Schampus lassen wir die Woche und alle, in diesem Zeitraum auf den Weg gebrachten, Projekte Revue passieren. Nach einer Weile schlendern wir dann immer noch mit ein wenig Schlagseite die Buden ab. Viele von uns erledigen gleich den Wocheneinkauf für die ganze Familie und hauen sich die M-Klasse mit Gutem aus der Region voll. Dieses Mal war alles anders.

Zum einen fiel uns auf, dass unser geschätztes Frühstückslokal „Anna Blume“ keine Heizpilze mehr aufstellt, was wir mit einem „Jetzt so draußen sitzen zu müssen, ist aber schon hart!“ respektvoll in Richtung der 8 Gäste auf der Terrasse quittierten. Erst später bemerkten wir, dass diese 8 frühstückenden Überdurchschnittsverdiener gar nicht so sehr froren, wie wir zunächst annahmen, sondern ihr auf „sehen-und-gesehen“-eingestelltes Antlitz von über 12 unter der Markise angebrachten Strahlern gewärmt wurde. So wohl temperiert lässt sich natürlich vorzüglich über die geschmackvollen Vorteile des regionalen Saison-Bio-Gemüses fabulieren. Sichtlich erschüttert über soviel Ignoranz war mir zumindest der Appetit auf meinen Stamm-Bierkäse vergangen. Der selbstgemachte französische Glühwein zum Kampfpreis von 2,- Euro ließ mich aber wieder selig lächeln.

Irgendwann bemerkte eine Begleiterin, das heute „ja viel weniger Buden als sonst“ aufgestellt sein und fragte, ob das denn wohl am Winter liegen würde? Der hellhörige Gewürz-Salami-Verkäufer (Promotion-Aktion zur Zeit: 3 empfehlenswerte Salami, 10€) schaltete sich prompt in die laufenden Fragerunde ein und beantwortete diese wie folgt: „Jetzt wo alle hierher gezogen sind, weil der Kollwitzplatz mit seinem hippen Ambiente und dem hippen Markt so eine unvergleichliche Anziehung ausübte, wollen die hergezogenen Hipster den hippen Markt nun verbieten lassen.“ Noch während er sprach, reichte er uns eine Unterschriftenliste, die sich gegen das Marktverbot aussprach und in die wir uns pflichtgemäß und hipstergerecht eintrugen.

Kritischer Oberhipster

Kritik daran, einfach nur Gutes zu tun

November 28, 2010 § Ein Kommentar

Also was ich ja total bewundere, das sind diese Marketingprojekte, die die Welt ein wenig besser machen. Marketing ist ja lange Zeit gerade intellektuell auch eher verschrien gewesen, weil es ja hilft, so viel unnützes Zeug in die Welt zu bringen. Mich hat das immer ein wenig geschmerzt. Einerseits bin ich auch irgendwo total dagegen, wenn wir uns alle nur noch als Konsumenten sehen. Aber andererseits ist es doch auch voll erfüllend, eine Sache einfach mal in einem guten Licht dastehen zu lassen, sie elegant zu beschreiben, mit guten Texten und Graphics. Schönes Marketing macht die Welt ja einfach auch schöner. Da sehen wir ja an Apple, die machen die Welt ja auch echt schöner. Die eine Hälfte der Leute am Prenzlauer Berg machen ja den ganzen Tag lang auch nichts anderen (die andere Hälfte sind Rentner, Wolfgang Thierse oder die Arbeitslosen, die noch nicht aus ihren Wohnungen rausgeklagt sind).

Total toll finde ich deswegen Marketingprojekte immer dann, wenn sie zugleich etwas verkaufen helfen, und auf der anderen Seite aber auch die Welt besser machen. Zum Beispiel, wenn ein Telekommunikationsunternehmen sagt „Für jede Minute, die Ihr mit uns zwischen drei Uhr und sechs Uhr morgens telefoniert, spenden wir 1 Ct an ein Brunnenbauprojekt in Wanne-Eickel.“ Oder wenn Krombacher sagt „Für jeden Bierkasten, den Ihr bei uns kauft, pflanzt Günter Jauch einen Baum in seinem Vorgarten.“

Neulich habe ich das mit dem Sven nochmal intensiv diskutiert (er ist Freelance Chief Conceptionist und auch als Creative Advertising Deployment Consultant total aktiv), und da ist uns dann allerdings eine Sache aufgefallen, die ein wenig komisch ist: meistens gibt es ja eine Höchstgrenze bei solchen Aktionen. Also Sternchentexte muss man ja eigentlich nicht lesen, deswegen sind es ja Sternchentexte (also Texte, die für das Leben auf der Erde so wichtig sind wie weit entfernte Sterne). Aber kann man natürlich auch mal machen, und es gibt so Sternchentexte bei diesen Aktionen, wo dann immer drin steht, dass die Spende nur bis zu einem gewissen Maximalbetrag geleistet wird. Um beim Telekommunikationsbeispiel zu bleiben: für das Brunnenbauprojekt werden 1 Ct. pro entsprechendem Telefonat gespendet, allerdings nur bis zu einem Gesamtbetrag von EUR 11,20. Und als kritischer Hipster frage ich mich natürlich jetzt: warum spendet das Unternehmen nicht gleich die vollen EUR 11,20? Könnte es eventuell sogar so sein, dass sie hoffen, bei der Sache womöglich billiger wegzukommen? Falls nämlich weniger Leute mitmachen?

Also ich bin da jetzt kritisch-verwirrt, weil ich ja einerseits total dahinter stehe, Gutes zu tun. Aber andererseits nicht so 100%ig sicher bin, ob das nicht vielleicht letztlich doch ein wenig eine Mogelpackung ist?

Inspektor Helmholtzhipness

Kritik an Charles Bronson

November 24, 2010 § Ein Kommentar

Zeitarbeit in der Kritik

November 23, 2010 § 2 Kommentare

Neulich habe ich mit meinem Freund Sven gesprochen. Gefällt mir gut, der Sven. Also damals in Kassel, wo ich ja in den 80ern aufgewachsen und zur Schule gegangen bin (ja ja, ich bin schon auch ein typisches Mitglied der Generation Golf), gab’s so Typen wie den Sven eigentlich kaum. Also halt Leute, die einerseits irgendwo voll ökologisch drauf sind, aber andererseits das auch mit einer gewissen Coolness so ganz authentisch rüberbringen. Na Sven jedenfalls ist einer der anderen Väter in unserer kooperativen Kita. Der Mareike und mir war einfach total wichtig, dass unsere kleine Anne-Laurence auch in einem echt positiven Umfeld ihre ersten Schritte unter Gleichaltrigen macht, und da fanden wir die Idee, dass wir mit Gleichgesinnten hier aus diesem Multi-Kulti-Umfeld (hier ticken ja alle irgendwo total ähnlich, was ja auch voll schön ist) so ganz kooperativ unsere eigene Kita aufziehen. Und der Sven hat sich da direkt vom Start her auch voll reingehängt. Das war lustig, wir fahren beide einen Touareg und da haben wir uns beim ersten Meeting gleich schon über das Auto voll nett angefreundet, direkt auf dem Parkplatz. Klar, sowas verbindet ja auch.

Jetzt ist die Sache ja die – wenn wir so eine Kita selbst machen, dann ist das schon irgendwie voll spannend, weil wir ja dann auch als Arbeitgeber tätig werden. Das erfüllt mich auch, muss ich sagen, schon mit einer Befriedigung, dass ich da jetzt nicht nur ein total angemessenes Umfeld für unser Kind schaffe, sondern auch gleich Arbeitsplätze. Die Erzieherinnen haben wir uns wirklich mit viel Mühe ausgesucht. Aber wo ich mich jetzt irgendwie auch kritisch frage, ob das so richtig ist (und deshalb bin ich froh, dass ich das hier mal andiskutieren kann), ist die Sache mit den befristeten Arbeitsverträgen. Der Sven ist da total eisern. Das bewundere ich auch. Der sagt: „Wenn es um meinen Jan-Patrick geht, dann fackel ich nicht lange. Der Janni ist ein besonderes Kind, da muss man sich auch ein wenig Mühe geben. Der Junge hat ja nur eine Kindheit. Da muss ich eine Erzieherin in kürzester Frist rausschmeißen können, wenn die nicht angemessen auf die Bedürfnisse meines Sohnes eingeht. Deswegen gibt’s bei uns nur Zeitverträge!“

Wie gesagt, ich finde erstmal total bewundernswert, wie der Sven da auch total seinen Sohn ins Zentrum stellt – denn er hat ja recht, die Kindheit unserer Kinder ist ja wirklich total kostbar. Da darf eigentlich keine Stunde in der Kita eine verlorene, vergeudete Stunde sein. Und insofern supporte ich ihn bei der Haltung natürlich auch. Aber andererseits: wie sozial ist das denn jetzt den Erzieherinnen gegenüber? Ich bin da jetzt erstmal ein wenig verunsichert – natürlich stehen unsere Kinder hier ganz klar an allererster Stelle. Aber führt das dazu, dass wir damit dann als Arbeitgeber letztlich dann liberal-konservative Positionen einnehmen? Das finde ich als Hipster schon ein wenig kritisch.

Inspektor Helmholtzhipness

1952 in der Kritik

November 23, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

1952 muss ein wirklich mieses Jahr gewesen sein. Klar 1952, das war ja auch kurz nach dem Krieg werdet ihr jetzt richtigerweise und ein bisschen altklug einwerfen, logisch war das grausam. 1952 muss sich auch eine Menge Frust angestaut haben. Das Wirtschaftswunder zuppelte so gerade mal los, Deutschland war noch nicht Weltmeister und der Prenzlauer Berg auch noch nicht gentrifiziert. 1952 hat bei manchen Menschen einen tiefen verstörenden Eindruck hinterlassen. So tief in die Seele dieser Menschen, das er gemeinhin sichtbar und dessen Folgen noch heute für jeden zu erdulden sind.

So tief, dass die Kinder der 52-Generation diesen Groll auf das Jahr 1952 auch mit sich herumtragen und bei sich jeder bietenden Gelegenheit zu veritablen Hass wachsen lassen.

Der harte Kern der 1952-Hasser hat sich augenscheinlich in Berlin Prenzlauer Berg zusammengerottet, um dort aus einer extremen supergeheimen Geheimzentrale heraus, alles zu vernichten, was nur entfernt aus dem Jahr 1952 stammt, daran erinnert, damit in irgendeiner Form spielt, oder nur daran denkt.

1952 soll von der Lochkarte der Geschichte gelöscht werden.

Ihr habt davon noch nie etwas gehört, werft ihr jetzt wahrscheinlich entlarvenderweise ein bisschen treudoof in diese Geschichte ein, also glaubt ihr das nicht. Doch, doch es ist aber so. Im Prenzlauer Berg gibt es ein Rudel von Menschen, die das Jahr 1952 aus der kollektiven Erinnerung streichen wollen. Natürlich klingt das im ersten Moment absurd und schwer nachzuvollziehen, aber es gibt handfester Beweise dafür.

Nach allem was über den supergeheimen Geheimbund gegen 1952 herauszufinden war, besteht dieser Club des Hasses überwiegend aus Menschen, die in den letzten 5-6 Jahren aus allen Teilen Deutschlands (Mit Ausnahme des Ruhrpotts) und einigen Metropolen Westeuropas extra in den Prenzlauer Berg gezogen sind, um von dort konzentriert gegen 1952 zuzuschlagen. Kurze Kommunikationswege, niedrige Abstimmungsstufen und die zentrale Lage Berlins waren sicherlich ausschlaggebend für diese Entscheidung. Natürlich sind die Soft Skills vom Prenzlauer Berg  auch nicht zu verachten – kein supergeheimer Geheimbund muss hier an Langeweile sterben. Die Clubszene, die Menschen, die gelebte Toleranz im Prenzlauer Berg, das urbane Gefühl, der Puls der Zeit (ohne 1952), das Gefühl am und der Nabel der Welt zu sein … Welcher geheime Geheimbund fühlte sich nicht davon angezogen?

Um nicht aufzufallen sind die Mitglieder des supergeheimen Geheimbundes voll integriert in das Leben im Prenzlauer Berg. Sie ziehen durch die Clubs im Kiez, oder in Mitte, kennen jeden Ladenbesitzer in der Kastanienallee mit Zweitnamen, haben Anwohnerparkausweise, fahren zum arbeiten in die Agenturen, wohnen in den sanierten Altbauwohnungen, geben ihren Wlans lustige Namen, treffen sich in Cafés zum im Café treffen, essen Frühstück bei Anna Blume und fahren ein Christiania-Fahrrad. Über Politik wird kaum gesprochen, man kann sie sich ja leisten. Nichts auffälliges deutet also auf die Existenz des supergeheimen Geheimbundes 1952 hin.

Nur jetzt, jetzt sind sie an das Tageslicht getreten. Jetzt haben sie sich zu erkennen gegeben. Jetzt haben sie es durchgezogen. Aber zugegeben, die Verlockung war zu groß. Direkt vor der Haustür, im schönen Prenzlauer Berg, in Sicht- und Hörweite – da stand sie, die Ausgeburt der Hölle 1952. Das konnte der supergeheime Geheimbund nicht dulden und hat zugeschlagen.

Oder wie würdet ihr euch erklären, dass der Knaack Klub zum Jahresende wegen seiner Geräuschkulisse schließen muss? Bevor ihr antwortet, bedenkt: Der Knaack Klub ist schon ewig in der Greifswalder Straße – richtig, seit 1952.

Kritik mit Soße

November 19, 2010 § Ein Kommentar

Wenn wir aber eines wirklich können, dann feiern. Das machen wir jetzt mit euch. Kettet den Boogaloo-Kinderwagen fest, parkt den Saab in der Garage, bringt das Bio-Porree in die Küche, raus aus den AA-Klamotten und dreht durch. Mit Duck Sauce und „Barbra Streisand“:

Wir wünschen euch ein schönes Party-Wochenende!

Wo bin ich?

Du siehst dir momentan die Archive für November, 2010 auf Verband Kritischer Hipster an.

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